Die Affäre ist aufgeflogen – was sage ich den Kindern?

Wenn die Affäre des Partners auffliegt, gerät oft nicht nur die Beziehung ins Wanken, sondern das gesamte Familiengefüge. Gerade wenn gemeinsame Kinder da sind, wird die ohnehin schon belastende Situation emotional noch einmal schwieriger. Viele Eltern fragen sich dann: Was sagen wir den Kindern? Müssen sie überhaupt etwas wissen? Und wenn ja – wie viel?
Kinder spüren meist, dass etwas nicht stimmt
Auch wenn man versucht, Streit, Distanz oder Tränen vor den Kindern zu verbergen: Kinder merken oft sehr genau, dass zu Hause etwas nicht stimmt. Je nach Alter können sie Spannungen, Rückzug oder Veränderungen im Alltag sehr sensibel wahrnehmen – auch wenn sie die Hintergründe natürlich nicht verstehen.
Gerade deshalb ist es wichtig, Kinder in dieser Ausnahmesituation nicht völlig im Unklaren zu lassen, wenn sie spüren, dass etwas los ist. Sie brauchen Orientierung, Sicherheit und das Gefühl, dass ihre Welt nicht kommentarlos auseinanderfällt.
Halte deine Wut auf deinen Partner von den Kindern fern
So groß dein Schmerz und deine Wut auf deinen Partner gerade auch sein mögen: Versuche, diese Gefühle nicht über die Kinder auszutragen.
Sätze wie „Dein Vater hat unsere Familie zerstört“ oder „Deine Mutter ist das Letzte“ sind für Kinder extrem belastend. Sie können Kinder in einen massiven Loyalitätskonflikt bringen, weil sie beide Eltern lieben und sich innerlich zerrissen fühlen, wenn ein Elternteil den anderen abwertet. Im schlimmsten Fall tragen Kinder solche Konflikte noch viele Jahre mit sich herum.
Kinder sollten nicht zu Verbündeten gegen den anderen Elternteil gemacht werden. So schwer es in der Situation auch fällt: Eure Paarkrise ist nicht ihre Verantwortung.
Kinder brauchen die Sicherheit, dass sie von beiden Eltern geliebt werden
Gerade in einer Zeit, in der zu Hause vieles unsicher wirkt, brauchen Kinder vor allem eines: das Gefühl, dass sie weiterhin von beiden Eltern geliebt werden und nicht plötzlich alles auseinanderbricht.
Wenn es irgendwie möglich ist, sollte der Kontakt zum anderen Elternteil deshalb nicht aus Wut oder Verletzung unterbunden werden. Die Kinder tragen keine Schuld an der Affäre und sollten nicht zusätzlich darunter leiden, dass ihnen ein geliebter Elternteil entzogen wird.
Natürlich gibt es Ausnahmen – etwa wenn das Verhalten eines Elternteils für das Kind tatsächlich schädlich wäre. Aber grundsätzlich gilt: Die Paarbeziehung und die Elternbeziehung sind zwei unterschiedliche Ebenen. Auch wenn die Beziehung zwischen euch gerade schwer belastet ist, brauchen eure Kinder idealerweise weiterhin beide Eltern in ihrem Leben.
Ehrlich sein – aber altersgerecht und ohne Details
Wenn deine Kinder Fragen stellen, solltest du ihnen die Situation so ehrlich wie nötig und so schonend wie möglich erklären. Vor allem ältere Kinder haben Spannungen oft längst bemerkt und brauchen eine Antwort, die ihre Wahrnehmung ernst nimmt, ohne sie mit Details zu überfordern.
Eine mögliche Formulierung könnte zum Beispiel sein:
„Mama und Papa haben gerade Probleme miteinander und versuchen, diese zu klären. Das hat nichts mit dir zu tun. Wir lieben dich beide und kümmern uns weiterhin um dich.“
Mehr braucht es in vielen Fällen zunächst gar nicht.
Kinder müssen nicht wissen, dass ein Elternteil fremdgegangen ist. Sie müssen keine Details über die Affäre kennen, keine intimen Informationen hören und auch nicht in die Rolle von Vertrauten gedrängt werden. Solche Informationen überfordern Kinder meist und belasten sie unnötig.
Die Kinder nicht in die Auseinandersetzung hineinziehen
Was Kinder in so einer Situation am wenigsten brauchen, ist das Gefühl, zwischen den Fronten zu stehen. Deshalb solltest du vermeiden, sie als Boten, Tröster oder Verbündete zu benutzen. Auch Sätze wie „Frag deinen Vater, warum er uns das angetan hat“ oder „Du siehst doch selbst, wie sehr Mama leidet“ können Kinder emotional überfordern und in eine Rolle bringen, die ihnen nicht zusteht.
Kinder dürfen traurig, verunsichert oder wütend sein. Aber sie sollten nicht das Gefühl bekommen, jetzt Verantwortung für die Gefühle eines Elternteils übernehmen zu müssen.
Weniger ist oft mehr
Gerade in der ersten Zeit nach dem Auffliegen der Affäre gilt deshalb oft: Weniger ist mehr. Kinder brauchen keine vollständige Wahrheit im Erwachsenenformat. Sie brauchen vor allem Stabilität, liebevolle Zuwendung und ehrliche, aber einfache Antworten auf die Fragen, die sie tatsächlich stellen.
Es ist völlig in Ordnung, nicht sofort auf alles eine perfekte Antwort zu haben. Wichtig ist vor allem, dass deine Kinder spüren: Hier passiert gerade etwas Schwieriges, aber ich werde damit nicht allein gelassen. Meine Eltern kümmern sich darum. Und ich bin nicht schuld daran.
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