Affäre mit Kollegin beendet – aber sie arbeiten noch zusammen: Wie soll ich damit klarkommen?

Verzweifelte Frau hält den Kopf in den Händen und symbolisiert das Gedankenkarussell nach einer Affäre.

Die Affäre ist vorbei. Sagt er. Er will mit dir zusammenbleiben und mit ihr sei endgültig Schluss. Keine privaten Nachrichten mehr, keine heimlichen Treffen, nichts.


Es gibt nur ein Problem: Am Montagmorgen fährt er wieder zur Arbeit. Und sie sitzt da auch.


Vielleicht nicht direkt am Schreibtisch gegenüber. Vielleicht zwei Stockwerke weiter, in derselben Abteilung oder nur gelegentlich im selben Meeting. Aber sie ist weiterhin Teil seines Arbeitsalltags. Die Frau, von der du dir vermutlich gerade nichts sehnlicher wünschen würdest, als dass sie einfach aus eurem Leben verschwindet.


Genau das macht eine Affäre mit einer Kollegin so schwierig. Die Affäre kann beendet sein, die Affärenpartnerin ist aber nicht weg. Und ausgerechnet mit der Person, bei der die Grenze zwischen „Kollegin“ und „mehr als Kollegin“ schon einmal gründlich schiefgegangen ist, soll diese Grenze jetzt wieder funktionieren.


Und dann sind da diese ganz normalen Morgen. Er zieht seine Jacke an, sucht seinen Schlüssel und will zur Arbeit.


„Wann bist du heute zurück?“

„So gegen sechs.“

„Seht ihr euch heute?“

Kurze Pause.

„Ja. Wir haben ein Meeting zusammen. Aber mit fünf anderen.“


Eigentlich eine klare Antwort. Kein Herumdrucksen, kein Geheimnis. Fünf andere Menschen sitzen sogar mit im Raum. Und trotzdem springt dein Kopf an. Wo sitzt sie? Neben ihm? Reden die beiden vorher miteinander? Gehen sie danach gemeinsam raus? Trinken sie noch einen Kaffee? Wie begrüßen sie sich überhaupt? Gibt es diesen Blick, dieses vertraute Lächeln, irgendetwas, das nur die beiden verstehen? Er ist noch nicht einmal aus der Haustür und du sitzt gedanklich längst mit in diesem verdammten Meeting.


Ich kenne diese Situation ziemlich gut. Die Affäre meines Mannes war eine längere Affäre mit einer Kollegin. Mit dem Ende der Affäre verschwand diese Frau deshalb nicht aus unserem Leben. Sie arbeitete weiterhin dort, wo mein Mann einen großen Teil seines Tages verbrachte. Und natürlich wollte ich gerade am Anfang wissen, wann die beiden sich sahen und wie dieser Kontakt aussah. Vorher hätte mich vermutlich nicht einmal interessiert, wer bei meinem Mann in irgendeinem Meeting sitzt. Nach der Affäre konnte genau diese Information meinen halben Tag beschäftigen.


„Es ist vorbei“ bedeutete bei uns eben nicht: Wir sehen uns nie wieder. Es bedeutete: Die Affäre ist vorbei – aber wir arbeiten weiterhin zusammen. Und damit konnte nicht einfach alles weiterlaufen wie vorher.


Kündigen? So einfach war es bei uns nicht

Natürlich hatte ich den Gedanken: Dann soll er sich eben einen anderen Job suchen. Nur war das bei uns keine Kleinigkeit. Mein Mann hatte einen Top-Job, verdiente sehr gut, wir hatten ein Haus und entsprechende Verpflichtungen. Also kündigte er nicht sofort. Aber sein Job war deshalb auch nicht heilig. Wir haben nicht gesagt: Auf keinen Fall kündigen, daran hängt unser ganzes Leben. Wenn es mit den beiden am selben Arbeitsplatz nicht funktioniert hätte, hätten wir auch darüber reden müssen. Dann wäre es finanziell vielleicht unangenehm geworden und wir hätten uns neu sortieren müssen. Aber auch das hätten wir überlebt.


Zunächst gab es allerdings ziemlich viele Dinge, die mein Mann ändern konnte, ohne gleich seinen Arbeitsvertrag zu zerreißen. Er nahm sein Mittagessen mit, statt in die Kantine zu gehen. Dienstreisen sagte er ab. Auf die Weihnachtsfeier verzichtete er. Damit fielen genau die Situationen weg, in denen aus beruflichem Kontakt schnell wieder freiwillige gemeinsame Zeit werden konnte. Für mich war die Grenze ziemlich einfach: Beruflicher Kontakt war das, was für die Arbeit tatsächlich nötig war. Nicht alles, was man irgendwie noch als kollegial verkaufen konnte.


Wenn beide für ihre Arbeit in einem Meeting sitzen müssen, dann sitzen sie eben in einem Meeting. Wenn sie Informationen austauschen müssen, dann sprechen sie miteinander. Aber ein Kaffee danach ist kein beruflicher Zwang. Die gemeinsame Mittagspause auch nicht. Genauso wenig eine private Nachricht am Abend oder das Gespräch darüber, wie es zu Hause gerade läuft.


„Wir waren nach dem Meeting noch kurz einen Kaffee trinken.“

„Zu zweit?“

„Ja. Aber wir arbeiten doch zusammen.“


Nein. Genau das ist nicht einfach nur Arbeit. Diese beiden Menschen waren nicht mehr zwei x-beliebige Kollegen. Sie hatten eine Affäre miteinander. Danach kann man nicht sämtliche freiwillige Nähe wieder unter „Wir sind halt Kollegen“ verbuchen und erwarten, dass die Frau zu Hause das schluckt. Für mich musste deshalb nicht nur die sexuelle Beziehung vorbei sein. Auch diese besondere Vertrautheit musste weg.


Sein Arbeitsalltag musste sich verändern

„Wir arbeiten nun mal zusammen“ kann ein verdammt bequemer Satz sein. Als wäre damit automatisch geklärt, dass gemeinsame Mittagspausen, Dienstreisen, Firmenfeiern und persönliche Gespräche eben dazugehören. Tun sie nicht. Manches gehört tatsächlich zum Job. Vieles gehört einfach nur zu einem Arbeitsalltag, den man sich angenehm eingerichtet hat. Und genau dieser Arbeitsalltag musste sich nach der Affäre verändern.


Mein Mann konnte nicht mit seiner Kollegin eine Affäre anfangen, sie anschließend beenden und dann montags im Büro genauso weitermachen wie vorher. Gleiche Kantine, gleiche Dienstreisen, gleiche Feiern, gleiche Nähe – und ich sollte zu Hause bitte lernen, wieder zu vertrauen. So hätte es für mich nicht funktioniert. Also wurde es für ihn unbequemer. Nicht für immer, aber in dieser Zeit. Und ich fand das nicht übertrieben. Er hatte die Affäre. Die Folgen davon konnten nicht ausschließlich bei mir landen. Ich musste bereits damit leben, dass er jeden Morgen an einen Ort fuhr, an dem auch sie war, dass sie sich begegnen konnten und es gemeinsame Termine geben würde. Dann musste er dort wenigstens alles streichen, was nicht notwendig war.


Diese Veränderungen waren aber nicht nur für mich wichtig. Sie kamen auch bei ihr an. Ich wusste, dass sie gerade am Anfang noch nach ihm Ausschau hielt. Und ich wusste deshalb auch, dass sie bemerkte, wenn er nicht mehr in die Kantine kam, bei bestimmten Dingen nicht mehr auftauchte und gemeinsame Situationen vermied. Sie sollte ruhig merken: Er sucht meine Nähe nicht mehr. Meine Frau und meine Familie haben jetzt Priorität.


Und ich sage ganz offen: Das tat mir gut. Es hatte sogar etwas Heilendes. Nicht weil ich wollte, dass sie leidet. Ach, wem will ich eigentlich etwas vormachen? Natürlich wollte ich das damals. Ich hätte sie am liebsten auf den Mond geschossen und ihr alles hundertfach zurückgezahlt. Deshalb gab es mir Genugtuung zu wissen, dass sie mitbekam, dass er sich zurückzog.


Vielleicht war das nicht besonders edel. Aber es war ehrlich. Vor allem musste ich mir nicht nur anhören, dass mein Mann sich für unsere Beziehung entschieden hatte. Ich konnte es an seinem Verhalten sehen. Und sie konnte es auch.


Ich wollte wissen, wenn sie sich begegneten

Ich war damals alles andere als entspannt. Wenn die beiden beruflich miteinander zu tun hatten, wollte ich das gerade am Anfang wissen. Nicht jede Minute seines Arbeitstages, nicht jeden Kollegen und nicht jedes belanglose Detail. Aber sie war für mich kein belangloses Detail. Noch schlimmer als ein gemeinsames Meeting wäre für mich gewesen, erst hinterher zufällig davon zu erfahren.


„Moment. Sie war auch bei dem Meeting?“

„Ja.“

„Warum hast du das vorhin nicht gesagt?“

„Weil ich wusste, dass du dich dann wieder aufregst.“


Großartige Idee. Denn dieses Prinzip – Ich erzähle lieber nicht alles, weil die Wahrheit zu Hause unangenehm werden könnte – kannten wir nun wirklich schon gut genug. Ich wollte nicht drei Tage später erfahren, dass die beiden miteinander zu tun hatten. Nicht zufällig und nicht erst, nachdem ich mehrfach nachgefragt hatte. Mein Mann musste mir deshalb kein tägliches Büroprotokoll vorlegen, aber er sollte auch nicht wieder für mich entscheiden, welche Informationen ich besser nicht erfahre. Ein „Vertrau mir, da ist nichts mehr“ hätte mir nach einer Affäre herzlich wenig gebracht. Ich wollte sehen, was er jetzt anders machte.


Die Weihnachtsfeier ist dafür ein gutes Beispiel.


„Nächsten Freitag ist übrigens Weihnachtsfeier.“

„Ist sie auch da?“

„Ja.“


Mein Mann ging nicht hin. Bei Dienstreisen war es genauso: Er sagte sie ab. Natürlich konnte das nicht für den Rest seines Berufslebens so bleiben. Darum ging es auch nicht. Aber wenige Wochen oder Monate nach der Affäre hätte ich wenig Verständnis dafür gehabt, wenn er mir erklärt hätte, dass er nun unbedingt einen geselligen Abend mit seiner ehemaligen Affärenpartnerin verbringen muss, weil die Firma Weihnachtsfeier hat. Die Welt dreht sich auch weiter, wenn man eine Weihnachtsfeier verpasst.


Und wenn das im Job nicht funktioniert?

Bei uns reichten diese Veränderungen. Mein Mann konnte den notwendigen beruflichen Kontakt auf das beschränken, was wirklich sein musste. Deshalb musste er seinen Job nicht aufgeben. Aber das wussten wir am Anfang nicht. Wenn sich herausgestellt hätte, dass die beiden ständig eng zusammenarbeiten müssen, regelmäßig allein unterwegs sind oder immer wieder private Nähe entsteht, hätten wir eine andere Lösung gebraucht. Erst innerhalb des Unternehmens – und wenn das nicht funktioniert hätte, wäre irgendwann auch ein anderer Job Thema gewesen.


Natürlich wäre eine Kündigung ein Einschnitt gewesen. Aber kein Weltuntergang. Wir hätten uns neu sortiert und auch das überlebt. Für mich wäre jedenfalls keine Lösung gewesen, dass mein Mann sagt: „Ich kann doch nicht wegen der Affäre meinen Job kündigen“, während sich für ihn im Büro praktisch nichts ändert und ich jeden Morgen damit kämpfen soll. Wenn der nötige Abstand in diesem Job nicht möglich gewesen wäre, hätte am Ende eben auch der Job zur Diskussion gestanden.


Bei uns kam es nicht dazu. Mit der Zeit fragte ich nicht mehr bei jedem Meeting nach und dachte nicht mehr morgens darüber nach, ob sie sich heute sehen würden. Das passierte nicht plötzlich und auch nicht, weil mein Mann irgendwann sagte: „Jetzt ist aber auch mal gut.“ Es wurde weniger, weil ich über längere Zeit sah, dass das, was er mir sagte, zu dem passte, was er tat.


Und genau das ist für mich rückblickend der entscheidende Punkt: Du musst dich nicht einfach daran gewöhnen, dass dein Partner weiterhin mit seiner ehemaligen Affärenpartnerin arbeitet. Bei uns hieß die Lösung: notwendiger beruflicher Kontakt ja, freiwillige Nähe nein. Mein Mann behielt seinen Job, weil das funktioniert hat. Hätte es nicht funktioniert, hätten wir eine andere Lösung gebraucht – notfalls auch einen anderen Job.


Ich musste nicht so tun, als wäre es für mich okay. Und mein Mann musste nicht sofort seinen kompletten Job aufgeben. Aber er musste etwas verändern. Und genau das tat er.



Sie ist weiterhin seine Kollegin – und dein Kopf kommt nicht zur Ruhe?


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