Du denkst über eine Affäre nach? Lass es bleiben. Der Kick ist den ganzen Mist nicht wert.

Du freust dich auf ihre Nachrichten. Gespräche dauern länger als nötig, ihr sucht Gründe, euch zu sehen, und inzwischen weißt du ziemlich genau, dass es beim nächsten Treffen nicht unbedingt beim Reden bleiben würde. Noch ist nichts passiert, sagst du dir. Jedenfalls nichts, was du schon als Fremdgehen bezeichnen möchtest.
Du planst keine Affäre. Du möchtest nur schauen, was passiert. Allerdings hast du für dieses Schauen schon erstaunlich viel vorbereitet: Zeit freigehalten, einen Anlass gefunden und deiner Frau eine etwas andere Version des Abends erzählt. Du ahnst längst, wohin das führen könnte. Genau deshalb wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, es bleiben zu lassen.
Du weißt schon, warum du diese Nachrichten nicht zeigen würdest
Affären können sich lange vor dem ersten Kuss ankündigen. Aus Gesprächen auf der Arbeit werden private Nachrichten. Aus einem gemeinsamen Kaffee wird ein Treffen, von dem du zu Hause lieber nichts erzählst. Irgendwann besprichst du mit ihr Dinge über deine Beziehung, die deine eigene Frau noch nicht einmal von dir gehört hat.
Du merkst, dass sich etwas verändert. Du schaust häufiger aufs Handy, überlegst dir deine Antworten genauer und freust dich auf einen Termin, der dich vor ein paar Wochen noch überhaupt nicht interessiert hätte. Für das nächste Treffen ziehst du sogar ein anderes Hemd an. Wegen eines völlig normalen Gesprächs natürlich.
Und dann erzählst du dir, dass ihr einfach gut miteinander auskommt. Dass man ja wohl noch Freundschaften haben darf. Nur würdest du diese Freundschaft vermutlich etwas anders führen, wenn deine Frau neben dir säße und mitlesen könnte. Spätestens da weißt du selbst, warum du bestimmte Nachrichten löschst oder das Treffen nicht erwähnst.
Überstunden, Elternabend und dazwischen noch eine Affäre
Im Kopf besteht die Affäre erst einmal aus aufregenden Treffen, Sex und dem Gefühl, endlich wieder begehrt zu werden. In der Praxis braucht sie vor allem Zeit. Und die muss irgendwo herkommen.
Du hast Feierabend, aber die andere Frau möchte dich noch sehen. Gleichzeitig wartet deine Familie aufs Abendessen. Am Donnerstag würde es bei ihr passen, allerdings musst du da zum Elternabend. Am Wochenende ist deine Frau unterwegs und du bist mit den Kindern dran. Die Affäre möchte wissen, wann ihr endlich mal einen ganzen Abend zusammen habt. Du möchtest wissen, wie du das bitte erklären sollst.
Dann kommen die Nachrichten zu Zeiten, in denen du gerade neben deiner Frau auf dem Sofa sitzt. Du kannst nicht antworten, ohne dass sie es bemerkt. Antwortest du nicht, fragt die andere Frau, ob sie dir plötzlich egal ist. Während eines Familienausflugs überlegst du, wann du kurz allein aufs Handy schauen kannst. Sehr erholsam, so ein Ausbruch aus dem stressigen Alltag.
Und weil die Treffen nicht einfach in deinem Kalender stehen können, brauchst du Erklärungen. Überstunden, Sport, ein Kollege, der noch etwas besprechen musste. Zu jeder Geschichte gehören Uhrzeiten und Details, die auch beim nächsten Nachfragen noch stimmen sollten. Du musst dir merken, was du wem erzählt hast. Deine Frau fragt, wie der Abend war, und du musst erst einmal überlegen, welchen Abend sie eigentlich meint.
Bei uns reichten 4,98 Euro aus dem Baumarkt
Du hältst dich für vorsichtig. Löschst Nachrichten, achtest auf dein Handy und glaubst, dass deine Erklärungen überzeugend sind. Trotzdem kannst du nicht jedes Detail kontrollieren. Eine Affäre läuft schließlich neben einem ganz normalen Leben, in dem Rechnungen bezahlt, Einkäufe erledigt und Termine verschoben werden.
Bei uns war es eine Baumarktrechnung. Genauer gesagt: eine Abbuchung über 4,98 Euro für einen Spezialkleber. Mein Partner sollte ihn nach der Arbeit besorgen. Direkt neben unserer Firma gab es einen Baumarkt. Die Abbuchung stammte allerdings von einem anderen – in unmittelbarer Nähe seiner Affäre. Der Einkauf war um 16:30 Uhr. Zu Hause war er gegen 20 Uhr, obwohl die Fahrt höchstens eine halbe Stunde dauerte. Beim Bezahlen unserer Rechnungen fiel mir das auf. Ein Kleber für nicht einmal fünf Euro brachte seine Geschichte ins Wanken.
Nicht jede Affäre fliegt auf. Aber „Meine Frau wird das niemals herausfinden“ ist eine ziemlich gewagte Grundlage für etwas, das dein ganzes Familienleben verändern kann. Du musst nur ein einziges Detail übersehen. Und deine Frau muss nur einmal genauer hinschauen.
Du willst die Affäre beenden. Die andere Frau womöglich nicht.
Am Anfang habt ihr besprochen, dass es unverbindlich bleiben soll. Ihr wolltet beide nur ein bisschen Spaß, niemand sollte sich verlieben und kompliziert werden sollte es schon gar nicht. Solche Absprachen klingen besonders überzeugend, solange noch niemand mehr möchte.
Mit der Zeit können sich die Erwartungen ändern. Die andere Frau entwickelt Gefühle. Du hast ihr erzählt, wie schlecht es zu Hause läuft, wie wenig deine Frau dich versteht und dass du schon lange über eine Trennung nachdenkst. Für dich gehörte das zum Gespräch. Für die andere Frau klang es nach einer gemeinsamen Zukunft.
Wenn du dann deine Beziehung retten möchtest, lässt sich die Affäre nicht unbedingt mit einer letzten Nachricht erledigen. Die andere Frau kann das Ende akzeptieren. Sie kann aber auch weiterhin Kontakt suchen, Erklärungen verlangen oder dich an deine Versprechen erinnern. Dass du jetzt gern möglichst geräuschlos in dein bisheriges Leben zurückkehren möchtest, muss ihr nicht gefallen.
Und wenn ihr zusammenarbeitet, sitzt deine ehemalige Affäre montags wieder mit dir im Meeting. Während deine Partnerin zu Hause wissen möchte, ob wirklich kein Kontakt mehr besteht. Du wolltest es unkompliziert. Jetzt musst du erklären, warum die Frau, mit der angeblich alles vorbei ist, trotzdem noch regelmäßig in deinem Alltag auftaucht.
Auch eine Affäre kann irgendwann nerven
Gerade fühlt sich alles leicht an. Sie freut sich auf dich, hört dir zu, findet dich attraktiv. Ihr habt keine Diskussion über die liegen gebliebene Wäsche, kein krankes Kind zwischen euch im Bett und keine gemeinsame Steuererklärung. Ihr trefft euch für die schönen Stunden und geht danach zurück in euren jeweiligen Alltag.
Das ist ein ziemlich dankbarer Ausschnitt einer Beziehung. Trotzdem kann selbst dieser Ausschnitt mit der Zeit anstrengend werden. Irgendwann geht es darum, warum du so selten Zeit hast, weshalb du am Wochenende nicht erreichbar bist oder wann du endlich etwas an deiner Situation änderst. Die Nachrichten machen nicht mehr nur gute Laune. Sie verlangen Antworten.
Auch die Neuheit lässt nach. Der Sex, für den du gerade alles Mögliche riskierst, ist irgendwann nicht mehr neu. Dann suchst du Ausreden zu Hause und musst dich zusätzlich vor der anderen Frau rechtfertigen. Für ein bisschen Ablenkung hast du dir erstaunlich viele neue Termine und Diskussionen eingehandelt.
Nach dem Auffliegen geht der Stress erst richtig los
Du stellst dir vor, dass du die Affäre im Ernstfall beendest, dich entschuldigst und deine Beziehung irgendwie wieder hinbekommst. Tatsächlich können danach Monate voller Fragen, Misstrauen und Streit vor dir liegen. Eine Nachricht auf deinem Handy, eine verspätete Heimfahrt oder der Name der anderen Frau reichen, und der Abend ist gelaufen. Du möchtest schlafen, deine Frau möchte endlich wissen, was an deiner Geschichte stimmt. Am nächsten Morgen müsst ihr trotzdem arbeiten und die Kinder zur Schule bringen.
Und das ist noch der vergleichsweise gute Ausgang: Deine Frau ist überhaupt bereit, mit dir an der Beziehung zu arbeiten. Darauf hast du keinen Anspruch. Sie kann dich genauso verlassen. Dann geht es um getrennte Wohnungen, Geld, Betreuung der Kinder und darum, wer Weihnachten mit ihnen verbringt. Du wolltest ein paar aufregende Stunden. Am Ende siehst du deine Kinder womöglich nicht mehr jeden Tag und musst mit ihnen darüber sprechen, warum ihr nicht mehr zusammenwohnt.
War es dir das wirklich wert?
Später schämst du dich womöglich für Dinge, die du dir während der Affäre noch schönreden konntest. Du hast deiner Frau erzählt, wie anstrengend dein Tag war, während sie dir den Rücken freihielt. Beim Familienessen hast du auf eine Nachricht gewartet. Und als sie misstrauisch wurde, hast du ihr Eifersucht vorgeworfen, obwohl sie recht hatte.
Dann sitzt du vor ihr und möchtest nichts mehr, als deine Beziehung behalten. Den gemeinsamen Alltag, der dir vorher so langweilig vorkam. Eure Familie. Die Vertrautheit, die du für aufregende Treffen aufs Spiel gesetzt hast.
Kick, Sex und Egostreichelei können sich ziemlich gut anfühlen. Aber rechne den Rest mit ein: die Lügen, die Organisation, die Erwartungen der anderen Frau und das Risiko, deine Beziehung zu verlieren. Du kannst jetzt noch entscheiden, dass dir dieser ganze Mist ein paar aufregende Stunden nicht wert ist.
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