Affäre beendet, aber du vermisst die andere Frau noch. Und jetzt?

Verzweifelte Frau hält den Kopf in den Händen und symbolisiert das Gedankenkarussell nach einer Affäre.

Du hast die Affäre beendet. Der Kontakt zur anderen Frau ist abgebrochen, ihr schreibt euch nicht mehr. Jetzt versuchst du, deine Ehe zu retten, das Vertrauen deiner Frau zurückzugewinnen und wieder mehr Zeit mit deiner Familie zu verbringen. Eigentlich müsstest du gerade deine ganze Energie in euren Neuanfang stecken. Stattdessen ertappst du dich immer wieder dabei, dass du die andere Frau vermisst.


Du sitzt morgens im Auto und hörst ein Lied, das dich an sie erinnert. Mittags passiert bei der Arbeit irgendetwas Lustiges und du greifst schon fast zum Handy, weil du es ihr erzählen möchtest. Abends sitzt du neben deiner Frau auf dem Sofa, während sie sich fragt, ob du sie überhaupt noch liebst. Und du? Du fragst dich zwischendurch, wie es der anderen Frau wohl gerade geht.


Du willst deine Ehe retten und vermisst gleichzeitig die Frau, mit der du sie aufs Spiel gesetzt hast. Das kann tatsächlich beides gleichzeitig wahr sein. Besonders angenehm macht es die Sache allerdings nicht. Schon gar nicht für deine Frau, die gerade versucht, mit deinem Betrug klarzukommen, während du gedanklich noch bei der anderen Frau unterwegs bist.


Es kann durchaus sein, dass du verliebt warst. Ihr habt monatelang jeden Tag geschrieben, euch regelmäßig getroffen und eine Nähe entwickelt, die nicht einfach verschwindet, nur weil du den Kontakt beendet hast. Trotzdem solltest du aufpassen, dass aus deinem Liebeskummer nicht die nächste Runde deiner Affäre wird. Deine Frau hat schließlich schon genug damit zu tun, die erste zu verdauen.


Vermisst du sie – oder den Mann, der du bei ihr warst?

Noch bevor du morgens richtig wach warst, lag da schon ihre erste Nachricht. Ein Foto, irgendein Blödsinn oder ein „Guten Morgen, du“. Später habt ihr euch erzählt, wie euer Tag läuft, und abends kam noch eine Nachricht hinterher. Manchmal auch zehn. Irgendwann war dieser Kontakt ein fester Bestandteil deines Alltags. Und jetzt ist er plötzlich weg.


Natürlich kann dir das fehlen. Ihre Stimme, ihr Humor, eure Gespräche und die Vorfreude auf das nächste Treffen. Sie war dir womöglich tatsächlich unglaublich wichtig und du bist traurig, dass du einen Menschen verloren hast, mit dem du viel geteilt hast. Du musst dir nicht nachträglich einreden, dass die ganze Geschichte vollkommen bedeutungslos war. Aber du solltest sie jetzt auch nicht zur großen Liebe deines Lebens erklären, nur weil du gerade Liebeskummer hast.


Und mal ehrlich: Bei ihr warst du wahrscheinlich auch ein ganz anderer Typ. Einer, auf dessen Nachrichten sehnsüchtig gewartet wurde. Der plötzlich wieder interessant, begehrt und wahnsinnig witzig war. Bei dem sich jemand riesig gefreut hat, wenn er spontan noch eine Stunde Zeit hatte. Zu Hause dagegen warst du der Mann, der schon wieder vergessen hatte, die Mülltonnen rauszustellen und mit dem man dringend über die nächste Stromrechnung sprechen musste.


Mit der anderen Frau hattest du aufregende Treffen, stundenlange Gespräche und womöglich Sex, wie du ihn schon lange nicht mehr erlebt hattest. Mit deiner Frau hast du darüber diskutiert, wer am Freitag die Kinder abholt und warum der Wasserhahn eigentlich immer noch tropft. Die andere Frau musste mit dir weder eine Steuererklärung machen noch herausfinden, wie man nach zwölf Jahren Beziehung, zwei Kindern und einem ziemlich vollen Alltag überhaupt noch regelmäßig Zeit füreinander findet.


Wobei deine Frau sich sicherlich ebenfalls darüber gefreut hätte, wenn du ihr zwischendurch eine liebevolle Nachricht geschickt, sie spontan zum Essen eingeladen oder dir für sie einen halben Tag freigenommen hättest. Stattdessen ging ein ziemlich großer Teil deiner Aufmerksamkeit an jemand anderen.


Und am Ende fehlt dir womöglich nicht nur diese Frau. Du vermisst auch das Gefühl, wieder begehrt zu werden, die ständigen Nachrichten und die Aufregung vor jedem Treffen. Nur hat dir die andere Frau nicht auf magische Weise ein aufregenderes Leben beschert. Du hast selbst ziemlich viel dafür getan, dass eure gemeinsame Zeit aufregend war.


Die Zeit und Energie, die du bisher in deine Affäre gesteckt hast, solltest du jetzt lieber in deine Frau und deine Familie investieren. Während der Affäre hast du schließlich auch Wege gefunden, dir Zeit freizuschaufeln. Ein früher Feierabend, ein spontaner freier Nachmittag oder ein ganzes Wochenende, das irgendwie organisiert werden musste. Für die andere Frau hast du Treffen geplant und dir überlegt, womit du ihr eine Freude machen könntest. Wann hast du dir zuletzt ähnlich viele Gedanken über deine eigene Frau gemacht?


„Ich wollte doch nur mal wissen, wie es ihr geht“

Besonders schwierig wird es meistens nicht an den Tagen, an denen zwischen dir und deiner Frau alles einigermaßen funktioniert. Sondern an den anderen. Ihr habt gerade wieder gestritten. Sie hat dir zum dritten Mal diese Woche vorgeworfen, dass du sie monatelang belogen hast. Du hast versucht, ruhig zu bleiben, irgendwann aber doch genervt reagiert. Jetzt sitzt du allein im Arbeitszimmer und fragst dich, ob ihr das überhaupt noch hinbekommt. Und plötzlich denkst du an die andere Frau.


Bei ihr war alles so unkompliziert. Sie hat sich gefreut, wenn du dich gemeldet hast. Sie wollte dich sehen und hat dir gesagt, wie sehr sie dich vermisst. Und jetzt sitzt du zu Hause und hast das Gefühl, dass du es deiner Frau ohnehin nicht recht machen kannst. Also öffnest du Instagram. Nur mal kurz schauen, ob die andere Frau etwas Neues gepostet hat.


Sie hat tatsächlich ein neues Foto hochgeladen. Sie sieht gut aus, scheint gut gelaunt zu sein und sitzt offenbar mit Freunden in irgendeinem Restaurant. Du schaust dir das Bild ein bisschen länger an, als du eigentlich wolltest. Dann öffnest du ihr Profil. Hat sie noch andere Bilder gepostet? Ist da womöglich schon ein neuer Mann? Und plötzlich überlegst du, ob eine kurze Nachricht wirklich so schlimm wäre.


„Hey, ich hoffe, dir geht's gut.“


Schließlich willst du ja nichts von ihr. Du möchtest einfach nur wissen, wie es ihr geht. Und ein kleines bisschen natürlich auch, ob sie dich noch vermisst.


Wenn sie antwortet, fragst du ganz unverbindlich, wie es ihr in den letzten Wochen ergangen ist. Aus der einen Nachricht werden drei. Irgendwann schreibt sie, dass sie oft an dich denkt. Du erzählst ihr, wie schwierig es zu Hause gerade ist. Sie versteht dich natürlich. Schließlich weiß sie, wie schwer die ganze Situation auch für dich war. Und ehe du dich versiehst, habt ihr wieder genau diese vertrauten Gespräche, die euch während der Affäre so nahegebracht haben.


Du redest dir womöglich sogar ein, dass dieser Kontakt dir helfen würde, endlich einen vernünftigen Abschluss zu finden. Noch ein letztes Gespräch, noch eine Aussprache, noch einmal wissen, wie es ihr wirklich geht. Nur ist aus dem letzten Gespräch inzwischen schon dreimal ein weiteres geworden.


Und zu Hause erzählst du deiner Frau weiterhin, dass die Affäre beendet ist. Technisch gesehen sogar korrekt, schließlich trefft ihr euch ja nicht mehr. Dass du inzwischen wieder regelmäßig mit der anderen Frau schreibst und ihr erzählst, wie schlecht es gerade in deiner Ehe läuft, lässt du lieber weg. Deine Frau würde das vermutlich nicht besonders gut aufnehmen. Überraschung!


Dass du die andere Frau vermisst, kannst du erst einmal nicht ändern. Aber ob du ihr Profil aufrufst, ihr schreibst oder dich heimlich wieder mit ihr triffst, entscheidest du sehr wohl selbst. Und falls du deiner Frau versprochen hast, dass der Kontakt beendet ist, gibt es daran auch nicht besonders viel herumzudeuten.


Habe ich mich doch falsch entschieden?

Es gibt diese Abende, an denen du dich fragst, ob du nicht doch die falsche Entscheidung getroffen hast. Deine Frau hat schon wieder geweint, ihr habt zum hundertsten Mal über dieselben Nachrichten gesprochen und inzwischen traust du dich kaum noch, dein Handy unbeaufsichtigt auf dem Tisch liegen zu lassen. Du bist genervt, sie ist misstrauisch und von der großen romantischen Wiederannäherung ist weit und breit nichts zu sehen.


Mit der anderen Frau wäre jetzt bestimmt alles viel schöner. Ihr würdet gemeinsam auf dem Sofa liegen, ein Glas Wein trinken und euch darüber freuen, dass ihr endlich zusammen sein könnt. Keine ständigen Vorwürfe, keine unangenehmen Fragen und vor allem niemand, der dir immer wieder deine Affäre unter die Nase reibt.


Kann natürlich sein. Ihr hättet womöglich tatsächlich eine glückliche Beziehung führen können. Andererseits hätte sie sich nach zwei Jahren genauso darüber beschweren können, dass du ständig Überstunden machst, beim Abendessen auf dein Handy schaust und sie das Gefühl hat, dass du ihr überhaupt nicht mehr richtig zuhörst. So etwas soll ja selbst in Beziehungen vorkommen, die einmal mit unglaublich aufregendem Sex und stundenlangen Gesprächen angefangen haben.


Vor allem aber vergleichst du gerade die schönsten Momente deiner Affäre mit deiner Ehe unmittelbar nach einem schweren Vertrauensbruch. Deine Frau ist verletzt, du hast ein schlechtes Gewissen, ihr seid beide erschöpft und vermutlich reicht manchmal schon ein falsch verstandener Satz, damit der nächste Streit losgeht. Natürlich sieht die andere Frau in deiner Erinnerung gerade ziemlich gut aus.


Und womöglich wäre deine Ehe heute in einem deutlich besseren Zustand, wenn du einen Teil der Energie, die du in die Affäre gesteckt hast, vorher in eure Beziehung investiert hättest. Das bedeutet nicht, dass vor deiner Affäre alles wunderbar war oder dass du allein für sämtliche Probleme eurer Ehe verantwortlich bist. Aber für die Entscheidung, eine Affäre anzufangen, warst du verantwortlich. Und für die Folgen, mit denen ihr jetzt beide leben müsst, eben auch.


Wenn du nach jedem Streit mit deiner Frau gedanklich zur anderen Frau flüchtest, wird es ziemlich schwierig, herauszufinden, ob eure Ehe überhaupt noch eine Chance hat. Denn während deine Frau versucht, mit dem fertigzuwerden, was passiert ist, bist du womöglich schon wieder damit beschäftigt, dir ein Leben mit der anderen Frau auszumalen.


Dabei wäre gerade jetzt deine Aufmerksamkeit zu Hause ziemlich dringend gefragt. Deine Frau sitzt abends allein auf dem Sofa, während du zum dritten Mal an diesem Tag nachschaust, ob die andere Frau etwas gepostet hat. Dein Kind fragt, ob ihr am Wochenende etwas zusammen unternehmt, und du antwortest nur halbherzig, weil du gedanklich ganz woanders bist. Du hast bereits verdammt viel Zeit und Aufmerksamkeit in die Affäre gesteckt. Jetzt wäre ein ziemlich guter Zeitpunkt, wieder richtig in deinem eigenen Familienleben aufzutauchen. Und zwar nicht nur körperlich.


Und jetzt? Warten, bis du sie endlich vergessen hast?

In ein paar Monaten denkst du womöglich tatsächlich kaum noch an die andere Frau. Es kann aber auch länger dauern. Und möglicherweise wird sie immer ein Mensch bleiben, an den du dich mit einer gewissen Wehmut erinnerst. Nicht jede Affäre war ausschließlich aufregender Sex und ein bisschen Aufmerksamkeit. Manchmal sind dabei echte Gefühle entstanden, und die lassen sich nicht einfach ausschalten.


Nur wird es mit dem Vergessen ziemlich schwierig, wenn du weiterhin regelmäßig ihr Instagram-Profil besuchst, eure alten Nachrichten liest oder bei jedem Streit mit deiner Frau darüber nachdenkst, wie schön es mit der anderen Frau war. Du hältst die Erinnerung an eure Affäre selbst am Leben und wunderst dich gleichzeitig, warum du nicht von ihr loskommst.


Wenn du dich für deine Ehe entschieden hast, dann verhalte dich auch entsprechend. Du musst die andere Frau nicht von heute auf morgen vergessen haben. Aber du kannst aufhören, dich ständig mit ihr zu beschäftigen, und deine Aufmerksamkeit wieder auf das Leben richten, für das du dich entschieden hast.



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